Alles begann sehr früh -- in den späten 30er Jahren.

Als wir (meine Schwestern und ich) noch Kinder waren, erzählte unsere Mutter immer wieder von dem einen Hund, dessen besonderes Wesen sie immer wieder fasziniert hatte.

Dieser eine Hund war ein Boxerrüde namens Claudio!



Damals in den 30er Jahren war Österreich noch ein sehr großes Land in Europa mit vielen Sprachen, Völkern und deren Eigenheiten.

Meine Großeltern wohnten in Leoben, aber ihr Landsitz mit Weinbergen befand sich in Marburg an der Drau. Dort war auch Claudio zuhause und hatte eine Menge zu tun – denn Zäune gab es damals wenige. Die eigenen Hühner wurden beschützt, die vom Nachbarn tot nach Hause gebracht.

In Leoben allerdings mußte er sich ziemlich benehmen – naja da gab es ja sowieso keine Hendln zum Jagen. Sonst bewegte er sich eher frei, besuchte die Kinder in der Schule und holte regelmäßig meine Mutter dort ab. Eher zum Schrecken der anderen Kinder, die doch etwas Respekt hatten. Besonders ihr Jausenbrot war in Gefahr! So versuchten die Mitschülerinnen das Brot hinter dem Rücken zu verstecken, was natürlich für Claudio kein Hindernis war. Er begab sich auf die andere Seite und fraß ganz keck den Kindern ihr Brot weg.

Leider spitzte sich die politische Lage zu und die Zeiten in Marburg wurden sehr gefährlich. Claudio bewachte mit dem besten Boxermut, den es gibt, unseren Landsitz und seine Leute, natürlich auch das Gesinde.

Als die Partisanen sich schon überall versteckt hielten, und mit ihren Gräueltaten an vielen Menschen bekannt waren, mußte unser Claudio schließlich sein Leben lassen.

Meine Urgroßeltern und Großeltern verließen fluchtartig das Land, nur Claudio hielt die Stellung. Er verteidigte das Anwesen mitsamt seinen Angestellten. Dafür zertrümmerten die Partisanen mit Eisenstangen seine Beine und richteten ihn dann so zu, daß er qualvoll und langsam sein Leben aushauchte.

Die Jahre vergingen, die Zeiten wurden besser und in den 60er Jahren dachte meine Mutter wieder daran einen Boxerhund in die Familie zu holen. Da war aber noch unser alter Dackel, dem wir aber keinen anderen Hund vorsetzen wollten.

1970 war es dann so weit, meine Mutter wünschte sich vom Vater einen Boxerhund – was für ein Wunsch! Mein Vater als eingefleischter Jäger wollte unbedingt einen Jagdhund. So ein „schlatzendes Monster“ kommt mir nicht ins Haus, meinte er.

Naja, wir waren damals 4 Mädls – Mutti und wir 3 Mädchen (19, 14, 12)

Sie wissen schon, wie die Geschichte ausgegangen ist.

1971 bekam meine Mutter Pedro (Schütz) zum Geburtstag in einer Hutschachtel überreicht.

Und so wurde die Boxerleidenschaft wiedergeboren, die bis heute anhält.

Zuerst wuchs unser Pedro sehr frei auf. Er wurde zum Macho und lernte so manchem Hund, wie auch Katzen das Fürchten.

Nachdem ich schließlich den Führerschein gemacht hatte, konnte ich damit beginnen, den mittlerweile 4 Jahre alten Hund auszubilden. Da er sehr gelehrig war, schaffte ich es bis zur SSH III – es war Schwerstarbeit – als Neuling!

Die Ausbildungsmethoden, aber auch die Sprache waren damals nicht sehr fein. Für ein junges Fräulein eine Herausforderung. Pedro bekam B-Papiere und durfte 1x decken.

Aus dieser Verpaarung entstand Amigo von Rothturm, mein erster Hund.

 


Mit ihm ging ich durch dick und dünn, alle meine Studienkollegen mochten ihn, nur unser Professor hatte etwas dagegen. Amigo hatte so schreckliche Flatulenzen. Ich glaube wir kennen das alle.

Auch Amigo wurde von mir bis zur SSH III gebracht. Wir gingen bergsteigen, fuhren mit dem Sessellift und natürlich auch ans Meer. Mittlerweile lernte ich meinen späteren Mann kennen, der sich einmal an Amigo gewöhnen mußte, da er selbst keine Tiere zuhause hatte. Schließlich begrüßte Amigo unsere ersten 2 Kinder, die er sehr zart behandelte, was man von den Kindern ihm gegenüber nicht behaupten konnte. Manchmal mußte ich Amigo vor ihnen schützen – sie waren richtig brutal. Dann zog er sich zurück und versteckte sich – seine einzige Chance.

 


Soviel über das Wesen eines ausgebildeten Schutzhundes!

Er durfte 2x im Zwinger vom Perserhof decken. Aus der ersten Verpaarung entstammte Yago vom Perserhof. Dieser Boxer war wieder für meine Mutter reserviert. Da sie zu schwach und zu wenig konsequent war, habe ich wieder einmal die Ausbildung übernommen. Jetzt wurde die Zeit knapp. Mit 2 kleinen Kindern ist es nicht so einfach Hunde-Prüfungen zu absolvieren. Aber es gelang mir die ScHH I, und auch beim Schutzhundeturnier gewann Yago einen Pokal

. Als mein Amigo schließlich seine letzte Reise angetreten hatte, war mir klar, dass ich dringend wieder so eine tolle Samtschnauze brauche. Also durfte Yago 1x eine sehr schöne Hündin decken.

Just zu dieser Zeit geschah der Super-GAU von Tschernobyl. Die trächtige Hündin bekam die ersten Strahlen ab. Als dann im August meine Donna vom Nock geboren wurde, waren 3 ihrer Geschwister verkrüppelt. Nur ein Bruder kam noch gesund zur Welt. Ich entschloß mich die Hündin Donna zu nehmen, da sie so eine hübsche Zeichnung hatte. Außerdem ist es mit Hündinnen auf jeden Fall leichter weiter zu züchten und in der eigenen Linie zu bleiben.

Auch Donna vertrug sich mit unseren Kindern ausgesprochen gut und zeitweise durfte unser drittes Kind bei ihr im Bett schlafen.



Die Ausbildung mußte rasch gehen, denn mit 3 Kindern war es mir schon fast unmöglich die Zeit aufzubringen. Die ScHH I schafften wir trotzdem.

Dann kam der große Moment, wir wollten 1x Junge haben. Nachdem der Boxer meiner Mutter, Yago gestorben war, mußte natürlich wieder einer geboren werden.

Meine Donna wurde von einem prachtvollen gelben Rüden gedeckt. Leider wurde die gesamte Trächtigkeit keine leichte Sache. Donna wollte nicht fressen und fühlte sich überhaupt nicht wohl.

Als der Tag kam, mußte Kaiserschnitt angesetzt werden. 10 Welpen erblickten die Welt, alle prachtvoll und wohlgenährt. Vielleicht war das der Grund, warum Donna sich überfordert fühlte. Da sie kaum Milch hatte, mußte ich gleich zu füttern.

Aber nach 1 ½ Tagen begann die Katastrophe. Ein Welpe nach dem anderen starb mit lautem Wehklagen. Nach 3 Tagen waren alle 10 tot. Meine Donna wollte sich nur noch zum Sterben legen. Da beschloß ich sofort mit der Familie ans Meer zu fahren. Weg von dem schrecklichen Ort! Und siehe da, nach drei Tagen kamen die Lebensgeister wieder zurück und meine Donna war wieder die alte. Nur Welpen konnten wir keine mehr haben, da sie sterilisiert wurde. So mußte meine Mutter sich auf die Suche nach einem anderen Welpen machen und holte sich in NÖ Nino vom Rennstall. Ein sehr schöner Rüde, und ausgesprochen kinderlieb.

Ja, eine Chance hatten wir noch unsere Linie fortzusetzen. Diego, Donnas Bruder, mußte irgendwo eine Boxerhündin decken. Dafür gibt es zwar keine Papiere, aber ich wollte unbedingt wieder einen Nachkommen von Amigo besitzen. Es war nicht leicht, aber eine Bekannte von mir willigte ein, daß Diego ihre Hündin decken durfte.

Aus dieser Verpaarung entstand Penelope, kurz Penny. Für unsere Penny stand nur mehr sehr wenig Zeit zur Verfügung, 3 Kinder und Hausbau bzw. Waldwirtschaftbetreuung forderten mir alles ab.

 


Auf unserem Ausbildungsplatz hatte sich mittlerweile einiges geändert, aber leider zum Schlechteren. Und so wurden die nächsten 2 Würfe nachträglich eingetragen. Diese Art zu züchten war ein für allemal die letzte Möglichkeit. Heute wäre es undenkbar, und es ist auch gut so!

 


Aus dem zweiten Wurf entstammte Sophie von der Lindwurmstadt. Meine Sophie war die kleinste von 10 Welpen. Da sie so lustig, witzig und sehr anschmiegsam war, behielt ich sie. Trainingsmöglichkeiten waren zu dieser Zeit auf unserem Hundeplatz am Nullpunkt angelangt. Vor allem war es nicht, möglich Boxerhunde für die Zucht auszubilden.

 


So kam es, daß ich wieder mit B-Papieren züchten mußte, obwohl ich einen toll ausgebildeten Boxer als Deckrüden zur Verfügung hatte. Sophie wurde gedeckt und alles verlief einwandfrei – bis 3 Wochen vor der Geburt. Sophie war plötzlich übersäht mit kleinen Hautpusteln. Die Diagnose war niederschmetternd: besonders aggressiver Haut- und Lymphkrebs. Sophie und ihre 9 Welpen überlebten nicht.

Nun möchte ich dieses Kapitel schließen. Meine Linie konnte leider nicht mehr weitergeführt werden.

Nach einer auch privat sehr schlimmen Zeit entschloß ich mich für einen NEUSTART und holte mir eine wunderschöne und (laut Zucht) begabte Hündin aus Deutschland, nämlich meine

CARAMELLA VON DEN BUSCH.


Alles war vielversprechend, Caramella eine wirklich ausgezeichnete Hündin in Wesen und Form, doch auch hier mußte ich schließlich feststellen, daß nicht immer alles perfekt ist, auch wenn es von einem renommierten Züchter kommt. Caramella hatte eine verdeckte Verletzung und konnte deswegen nicht alt werden. Gott sei Dank schenkte sie mir 5 Welpen, alle prachtvoll und sehr leistungsstark.

Eher durch Zufall behielt ich meine Tigra, und bin dafür sehr dankbar. Ein bereits fixer Käufer sprang ab, da er sich nicht im Stande sah einen Boxerwelpen die richtige Aufzucht zu gewähren, wie Wärme, Zeit (auch in der Nacht) gute Ausbildung und perfekte Verpflegung.

Ich denke, das sind wir unseren Samtschnauzen schuldig.

Mit meiner Cara konnte ich in sehr kurzer Zeit sehr viele Erfolge erzielen.

Sie war eben ein Prachtexemplar! Mit viel Engagement absolvierte sie die ÖPO I und trat in der Innerkrems 2x beim Fährtenturnier an (mit recht gutem Erfolg).

Ihre Schönheit wurde belohnt, denn sie erreichte auch den österr. Championtitel und wurde 2x Klubsiegerin. Auch das Cacib wurde ihr 1x verliehen.

Leider reichte ihr Leben nicht so lange, daß sie den Klubsieger bekommen hätte können, ebenso für den intern. Championtitel.

Im Juli 2010 schaffte sie den Kampf gegen die Folgen ihrer fatalen Blasenverletzung im frühesten Welpenalter nicht mehr und bat mich sie von ihren Schmerzen zu erlösen.



Ja nun waren Tigra und ich alleine!

Es war eine schlimme Zeit, aber gemeinsam schafften wir es wieder das gemeinsame Leben zu genießen, mit viel Spiel, Freizeit und natürlich Ausbildung.

Wie man sieht haben wir uns in die Arbeit gestürzt, was auch recht viele Früchte trug.

So hoffe ich, das Tigra und ich eine lange Zeit verbringen werden, mit viel Hundeausbildung, tollen Welpen, Schönheitskonkurrenzen und ein langes gemeinsames Leben.

denn meine Tigramaus ist einfach eine ganz besondere Boxerschnauze ! :-)